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02.11.2016 Geld marsch! (Tagblatt Online)

Das geplante Feuerwehrmuseum im ehemaligen Gantamt an der Burgstrasse ist der Verwirklichung einen Schritt näher. Die Stadt unterstützt das Vorhaben finanziell.

DANIEL WIRTH

Das ehemalige Gantamt befindet im Verwaltungsvermögen der Stadt. Das Stadtparlament stimmte dem Antrag des Stadtrates, das Grundstück dem Nostalgieverein Feuerwehr St. Gallen (NFSG) unentgeltlich im Baurecht abzugeben, gestern grossmehrheitlich zu. Die Stadt verzichtet damit auf eine Einnahme von jährlich gut 11 000 Franken. Für die laufenden Kosten leistet die Stadt dem Feuerwehrmuseum im Rahmen einer Leistungsvereinbarung jährliche Beiträge von 32 000 Franken. Auch dieser Antrag ging schlank durch. Zudem gewährt die Stadt dem NFSG ein Darlehen von einer Viertelmillion Franken, das jährlich mit einem Prozent zu verzinsen ist; die Ausleihung wird fünf Jahre gewährt. Insbesondere dieser Antrag des Stadtrates gefiel der FDP nicht. Ihr Sprecher Felix Keller sagte, die beantragte finanzielle Unterstützung des Nostalgievereins Feuerwehr St. Gallen sei «unverhältnismässig». Das Darlehen von 250 000 Franken sei kein solches, sondern vielmehr ein A-fonds-perdu-Beitrag. Aufgrund der prognostizierten Einnahmen sei der Verein gar nicht in der Lage, das Darlehen zurückzubezahlen. Stattdessen würden wahrscheinlich in den nächsten Jahren weitere Begehren an die Stadt gestellt.

Von Grisu, dem kleinen grünen Drachen

 

Mit seinem Votum gegen das geplante Feuerwehrmuseum blieb Felix Keller ziemlich allein im Rat. Der Freisinnige bewies aber Courage; denn auf der Zuschauertribüne sassen gegen 100 Mitglieder des Nostalgievereins. Diese erhoben sich von den Sitzen, als Etrit Hasler im Namen der Fraktion von SP, Juso und PFG zu einer flammenden Feuerwehrrede ausholte: «Kennen sie den kleinen Drachen Grisu?», fragte der eloquente Sozialdemokrat ganz leise in den Rat – um sogleich laut zu werden mit Grisus Kultspruch: «Ich will Feuerwehrmann werden!» Er, Hasler, habe das zwar nie gewollt. Gleichwohl erkenne er die ehrenhafte Arbeit der Feuerwehrleute an. Er gehe mit Felix Keller einig, sagte Hasler, brauchen tue die Stadt ein Feuerwehrmuseum nicht. Das sei aber auch nicht die Frage. Diese müsse lauten: «Wollen wir eins?» Und ja, die grosse Mehrheit seiner Fraktion wolle eins.

Die Sprecher der CVP/EVP-Fraktion und der SVP-Fraktion konnten dem geplanten Feuerwehrmuseum ebenfalls fast nur Gutes abgewinnen. Sowohl Beat Rütsche (CVP) als auch Christian Neff (SVP) erkannten die wichtige Arbeit der Feuerwehr und ihre bedeutsame Geschichte in der Stadt St. Gallen an.

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Hoffen auf weitere Sponsoren

 

Andreas Hobi sagte namens der Fraktion von Grünen, Jungen Grünen und Grünliberalen, bei der Feuerwehr heisse es «Wasser marsch!». Heute sei es am Stadtparlament zu sagen: «Geld marsch!» Die Vorlage kam gegen den Widerstand der FDP durch. Die Mitglieder des Nostalgievereins applaudierten. Sie hoffen jetzt, dass private Sponsoren aufspringen. Der Kantonsrat sprach bereits einen Beitrag von 120 000 Franken an den Aufbau des Feuerwehrmuseums im ehemaligen Gantamt.

 

Tagblatt Online